Neues entdecken – Partnerschaft pflegen

Bericht eines Indien-Reisenden

Vorweg: dies ist eine erster grober Bericht. Eine Reisetagebuch wird nach und nach auf der Indienseite veröffentlicht.

Die langjährige und traditionsreiche Beziehung zwischen Breklum und den indischen Partnergemeinden Sapta Maha und Kochiakondadi wurde durch uns Pfadfinder (Oke Huhs, Jonas Nahnsen, Flemming Jensen und mich), sowie durch den Havetofter Pastor Jörg Arndt und seine Frau Kerstin erneut am Leben erhalten. Eines der erklärten Ziele der Pfadfinder war es, Kontakt zu den einheimischen Jugendlichen aufzunehmen, Zeit mit ihnen zu verbringen und ihnen das Prinzip des Pfadfindertums nahe zu bringen.

Am 12. Oktober brach unsere sechsköpfige Reisetruppe nach Indien auf – die Rucksäcke voll mit Grüßen, Luftballons und einer Pfadfinder-Kothe. Einen Tag und viele Flugmeilen später wurden wir am Zielflughafen von Annemarie Gieselbusch und einigen indischen Freunden in Empfang genommen.

Die erste wirklich interessante Erfahrung – der indische Stadtverkehr – bleibt uns ebenso im Gedächtnis wie die erste indische Mahlzeit. Während der nächsten Tage führte Annemarie Gieselbusch uns nach und nach in die typisch indischen Gebräuche und Sitten ein, zeigte und erklärte uns viel zu Vegetation, Landwirtschaft und Adivasi- Kultur. Das Gästehaus in Haldibad bildete dabei unser Zuhause, von wo aus wir unsere täglichen Wanderungen und Abenteuer unternahmen. Höhepunkte waren u.a. die Erkundung der umliegenden Dörfer und Landschaft, das Baden in einer wildromantischen Schlucht und vor allem der Besuch in der Partnergemeinde Sapta Maha. Mit lauten Trommeln wurden wir dort begrüßt, nach altem Brauch klebte man uns etwas Reis an die Stirn. Sapta Maha ist ein Dorf, das vieles dafür tut, selbstständig und nach außen offen zu werden. So findet man dort solargetriebene Straßenlaternen und ein gut ausgestattetes Arzthaus. Im Gästehaus fand  gerade ein Englischkurs mit deutscher Beteiligung statt. Ein Gemeindezentrum ist zur Zeit im Bau, an der Wasserversorgung wird auch gearbeitet. Weitere Projekte wie z.B. die  Herstellung von LED-Lampen sind in Planung. Man darf das alles nicht mit deutschem Standart vergleichen, aber für indisch-ländliche Verhältnisse ist Sapta Maha ein sehr fortschrittlicher Ort. Leider war es uns nicht möglich, noch mehr Zeit dort zu verbringen, aber der Tag wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Am Sonntag besuchten wir das Dorf Tankubeda. Um dorthin zu gelangen, überquerten wir während der 8 km langen Strecke einen Gebirgspass mit Hochebene. Eine große Menschenmenge empfing uns dort und wir feierten einen Gottesdienst, der über 2,5 Stunden andauerte. Die abenteuerliche Rückfahrt genossen wir auf dem Dach eines Geländewagens.

Die zweite Woche unserer Reise verbrachten wir Pfadfinder in der eher städtisch geprägten Gemeinde Kochiakonadi. Wir hatten die Ehre, in ihrem neu errichteten Gästehaus die ersten Gäste sein zu dürfen und zudem neben dem Sightseeing-Programm (Eisenbahnbrücke, Staudamm, Nachbarorte, Wochenmarkt, …) ausgiebig Gelegenheit, wie gewünscht Zeit mit den Jugendlichen vor Ort zu verbringen. Jeden Tag spielten wir zusammen Fußball, bauten einen Zaun oder errichteten die Kothe. Dabei beeindruckte mich, wie schnell unsere indischen Freunde lernen. Bereits am dritten Tag waren sie dazu in der Lage, das Zelt selbstständig und ohne Hilfe aufzustellen. Man sagte mir, dass in Indien Wissen nicht mündlich weitergegeben wird, sondern dass man sich alles abgucken muss. Tiefgehende Unterhaltungen waren  aufgrund unzureichender Sprachkenntnisse leider nicht möglich, aber es reichte immer, um sich über das Nötigste zu verständigen. Fast an jedem Abend wurde zu Trommeln und Flöte  getanzt und wir ließen es uns nicht nehmen und reihten uns ein. Besonders Oke und Flemming legten dabei einen interessanten Tanzstil hin, der den jungen Indern entzückte Freudenrufe entlockte. Am Sonntag vor unserer Abreise durfte ich im Gottesdienst eine spontane Predigt auf Englisch halten (eine halbe Stunde vor Beginn wurde mir der Predigttext  bekannt gegeben), aber wie bereits so oft in Indien spürte ich dabei Gottes Gegenwart, und ich musste mir keine Sorgen machen, was ich reden würde.

Was bleibt? Es bleiben natürlich viele Eindrücke eines einzigartigen Landes mit einzigartigen Menschen. Es bleibt die Dankbarkeit gegenüber den Leuten, die am wenigsten haben und  immer das meiste geben. Es bleibt die Nachdenklichkeit über all den Luxus, den wir hier in Deutschland genießen dürfen – und von dem wir uns oft so abhängig machen. Und es bleibt die Freude darüber, dass ich die meisten unserer neuen Freunde auf jeden Fall wieder sehen werde – irgendwann auch ohne jegliche Sprachbarrieren!

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